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Jahresbericht Wildvogelhilfe Jena

Das Jahr 2025 stand ganz im Zeichen der Mauersegler. 

Auch in diesem Jahr sind uns wieder zahlreiche Geschichten begegnet, die uns sprachlos gemacht haben. Einige davon möchten wir hier teilen.

2025 war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Erstmals haben wir über 700 Vögel in unsere Obhut genommen. Mit dieser hohen Zahl gingen auch erhebliche Kosten einher, für deren Deckung wir intensiv Fördermittel und Spenden einwerben mussten.

Ein großes Dankeschön!

Ein riesiges Dankeschön gilt unserem Team – ihr seid spitze! Danke auch an unsere Spender:innen, an alle Menschen, die nicht wegsehen, sowie an die tiermedizinische Praxen und Behörden für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Jede noch so kleine Spende hilft, Leben zu retten. Auch in diesem Jahr benötigen wir wieder Hilfe durch euch.

Hier könnt ihr spenden!


Auswertung der Vogelaufnahmen

Im Jahr 2025 haben wir insgesamt 742 Vögel zur Pflege aufgenommen. Von denen wir 538 Vögel erfolgreich auswildern konnten.

Eine Erfolgsquote von über 70 % liegt über dem Durchschnitt und unterstreicht die Qualität unserer Behandlungsmethoden sowie unsere fachliche Expertise. Bei manchen Auswilderungen und insbesondere dann, wenn längere Reha-Aufenthalte nötig sind, kooperieren wir unter anderem mit der Staatlichen Vogelschutzwarte, dem Tierasyl Vogtland sowie der Stadttaubenhilfe Jena.

Fundumstände

In unserer Datenbank erfassen wir nicht nur die aufgenommenen Vögel, sondern auch die Gründe für ihre Verletzungen bzw. den Anlass, warum sie zu uns gekommen sind. 2025 steht unter dem Motto „Das Jahr der Mauersegler“, was sich auch in den Fundumständen widerspiegelt. Aufgrund der extrem hohen Temperaturen während der Brutsaison kam es vermehrt zu Stürzen von Gebäudebrütern aus ihren Nestern. Dies spiegelt sich auch bei dem häufigsten und auch zweithäufigsten Fundumstand wider.

Fundorte

Unsere Fundort-Statistik belegt: Die Wildvogelhilfe ist eine unverzichtbare Institution für die gesamte Region. Da im Umkreis von 200 km weitere Fachstationen fehlen, reicht unser Einzugsgebiet mittlerweile weit über das Saaletal und die thüringischen Landesgrenzen hinaus. Notfälle kennen keine Grenzen – und unsere Hilfe ebenso wenig.

Arten

Im Berichtsjahr wurden insgesamt 78 verschiedene Vogelarten aufgenommen. Das Artenspektrum reicht von häufigen Gartenvögeln wie Rotkehlchen, Amsel und Meisen bis hin zu selteneren Arten wie Jagdfasan, Kuckuck oder Baumfalke. Die Statistik verdeutlicht sowohl die hohe Zahl an Notfällen bei weit verbreiteten Arten als auch die Bedeutung der Wildvogelhilfe für besondere und geschützte Vogelarten.

Nachfolgend sind alle aufgenommen Vögel und deren Anzahl aufgeführt.

 

Amsel 54

Bachstelze 3, Baumfalke 1, Blässhuhn 1, Blaumeise 17, Bluthänfling 7, Buchfink 6, Buntspecht 25

Dohle 1

Eichelhäher 6, Eisvogel 7, Elster 4

Feldsperling 2, Fichtenkreuzschnabel 2, Flussseeschwalbe 1

Gartenrotschwanz 2, Gimpel 3, Girlitz 1, Graureiher 7, Grünfink 9, Grünspecht 14

Haubentaucher 2, Hausbrieftaube 5, Hausrassetaube 1, Hausrotschwanz 13,

Haussperling 42, Haustaube (unbestimmt) 3, Heckenbraunelle 1, Höckerschwan 10

Jagdfasan 1

Kernbeißer 8, Kleiber 1, Kohlmeise 35, Kolkrabe 1, Kuckuck 2

Lachmöwe 2, Lachtaube 1

Mauersegler 86, Mäusebussard 16, Mehlschwalbe 36, Misteldrossel 1, Mönchsgrasmücke 12, Moschusente 2

Nachtigall 1, Neuntöter 1

Rabenkrähe 17, Rauchschwalbe 11, Ringeltaube 72, Rotkehlchen 18, Rotmilan 6

Schwanzmeise 3, Schwarzmilan 2, Schwarzspecht 2, Singdrossel 5, Sperber 5,

Stadttaube 28, Star 4, Stieglitz 16, Stockente 45, Sumpfmeise 1

Teichhuhn 1, Türkentaube 9, Turmfalke 17

Uhu 1

Wacholderdrossel 2, Waldbaumläufer 3, Waldkauz 1, Waldohreule 2, Wintergoldhähnchen 6

Zaunkönig 2, Zilpzalp 6, Zwergschnepfe 1

 

Einblicke

Hinter den statistischen Zahlen unseres Jahresberichts verbergen sich hunderte individuelle Geschichten. Drei dieser Geschichten möchten wir exemplarisch hervorheben:

Neues OP-Verfahren Sperber

Ein Sperber-Weibchen kam nach einem Autounfall mit ausgerenktem Oberarmknochen zu uns – eine Verletzung, die bisher meist als nicht behandelbar galt. Unser Tierarzt setzte erstmals eine Fadenzug-OP ein, um den Knochen wieder einzunähen. Nach sechs Wochen Ruhe und vorsichtigem Training ist der Sperber heute wieder flugfähig und wurde Mitte November erfolgreich ausgewildert. Ein Meilenstein in der Greifvogelmedizin.

Taube im Puppenwagen

Ein besonders schockierender Fall von Unwissenheit betraf eine junge Ringel-

taube, die wir auf Bitten der Behörden aus einer Familie retteten. Das Tier

wurde dort nicht artgerecht versorgt, sondern wie eine Puppe im Kinder-

wagen herumgefahren. Die Folgen dieser massiven Fehlhaltung und Mangel-

ernährung waren verheerend: zerstörtes Gefieder, entzündete Gelenke und

schwerste, bereits verknöcherte Rachitis. Dass für dieses Tier jede Hilfe zu

spät kam, unterstreicht auf tragische Weise: Wildvögel gehören niemals in

Laienhände, sondern brauchen im Notfall sofort professionelle Pflege.

Gefangen aus Aberglauben

Schockierend war auch das Schicksal von drei Fichtenkreuzschnäbeln und einem Stieglitz aus illegaler Wohnungshaltung. Der schwer erkrankte Halter hatte die Wildvögel aus Aberglauben eingesperrt, in der Hoffnung, sie würden seine Krankheit heilen. Die Tiere erreichten uns in einem desolaten Zustand: stark unterernährt, mit Fehlstellungen und viel zu langen Krallen. Nach intensiver Pflege erholten sich die überlebenden Vögel gut und zeigen wieder natürliches Sozialverhalten. Dieser Fall bleibt ein eindringliches Mahnmal dafür, dass Wildtiere in die Freiheit gehören und nicht in Käfige.

Weitere Einblicke und der gesamte Bericht

Den gesamten Bericht könnt ihr über den folgenden Link ansehen. Hier gibt es noch mehr Einblicke und Informationen über unsere Arbeit. 

Danke an alle, die unsere Arbeit unterstützen!

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