Vogel des Jahres 2021

(Bilder: Holger Kirschner, NABU Jena)

 

Der "Vogel des Jahres 2021" wurde erstmals durch eine öffentliche Abstimmung gewählt, Sieger ist das Rotkehlchen.

 

Rotkehlchen – Vogel des Jahres 2021
Mit seinem runden Kopf und den großen dunklen Augen erfüllt das vor uns auf dem Parkweg oder im Garten am Haus hüpfende Rotkehlchen das „Kind-chenschema“. Damit bezeichnete der bekannte Verhaltensforscher Konrad Lorenz die bei vielen Jungtieren ausgeprägten und als Schlüsselreize wirkenden kindlichen Proportionen, die allgemein und auch bei uns Menschen das „Brutpflegeverhalten“ auslösen. So nimmt es nicht Wunder, dass das Rotkehlchen als Sympathieträger im Rahmen der erstmalig auf breiter Vereinsbasis vorgenommenen diesjährigen Wahl zum „Vogel des Jahres 2021“ erkoren wurde. Der Rückgang der heimischen Vo-gelwelt ist zum Glück noch nicht so dramatisch, dass es an einem geeigneteren Vor-schlag gefehlt hät-te. Es war nur die veränderte Metho-de der Suche nach dem Jahresvogel im 50. Jahr der „Vogel des Jahres – Aktion“, durch die das Rotkehlchen zum zweiten Mal nach 1992 zum „Vogel des Jahres“ gewählt wurde.
Das Rotkehlchen zählt wegen seines markanten roten Brustlatzes zu den wenigen Vogelarten, deren Aussehen den meisten Menschen bekannt ist. Ähnlichkeit im Aussehen hat lediglich der in Buchenaltholzbeständen brütende, doch äußerst seltene und etwas kleinere Zwergschnäpper.
Rotkehlchen begegnen uns in Parkanlagen und Gärten, ihrem bevorzugten Lebensraum. Sie sind wenig scheu und lassen sich sogar leicht zähmen. Sie waren daher früher eine gerne von Schustern gehaltene Vogelart. Sie erfreuten den einsamen, auf seinem Schemel sitzenden Handwerker mit ihrem etwas wehmütig, perlenden Gesang und auch durch den Verzehren von unerwünschten Mitbewohnern - Spinnen und lästigen Insekten. Davon berichtet sogar Gerhard Hauptmann in seinem autobiographischen Werk „Das Abenteuer meiner Jugend“.
Artgenossen gegenüber sind Rotkehlchen jedoch mit Ausnahme der Brutzeit ausgesprochen unverträglich und verteidigen heftig ihr kleines 0,25 bis 1 ha großes Revier.
Sie sind Teilzieher - die heimischen Brutvögel räumen im September/Oktober ihre Reviere und ziehen nach Südwesteuropa bis Nordafrika. Zugleich er-scheinen bei uns Überwinterer aus Skandinavien und Nordosteuropa. Diese finden sich dann auch an unseren Winterfutterplätzen ein und besetzen dort „Winterreviere“. Meist sieht man sie unter dem Futterhaus, seltener direkt auf dem Futterbrett. Der Ab- und Durchzug erfolgt völlig unauffällig, da Rotkehlchen in der Nacht ziehen bzw. einzeln durch das Gebüsch schlüpfen und sich nicht in auffälligen Schwärmen beim Zug vereinen.
Rotkehlchen ernährend sich überwiegend von Spinnen und Insekten sowie im Herbst auch von Beeren. Dafür halten sie sich viel zur Nahrungssuche am Erdboden auf. Auch bauen sie ihre Nester in der Regel am Boden in Bodenvertiefungen, Efeu und unter Grasbülten, gelegentlich auch an Böschungen. Nistkastenbruten sind eine seltene Ausnahme.
Junge Rotkehlchen haben ein braugefleckten Jugendkleid, das bereits Anfang des Herbstes in das typische Alterskleid mit dem namengebenden roten Kehl-Brustlatz gemausert wird.
Eine relativ dichte Bodenvegetation sowie vermoderndes Laub unter Büschen bietet den Rotkehlchen nicht nur einen idealen Lebensraum zur Nahrungssuche sondern zugleich auch den besten Schutz vor ihrem Hauptfeind, der Haus-katze. Naturnah belassene Parkanlagen mit Gebüschgruppen und artenreichen blühenden Wiesen sind nicht ungepflegt und verwildert, sondern bieten unseren Rotkehlchen, und nicht nur diesem, den besten Lebensraum und Schutz.
Dr. Dietrich von Knorre

 

 

So fühlt sich das Rotkehlchen im Garten wohl

 

Der frischgekürte Vogel des Jahres mag es wild und giftfrei

Jeder Garten hat seinen eigenen Jahresvogel

 

Jena - Klein, rund und knopfäugig: das Rotkehlchen ist der Vogel des Jahres. Weil der zutrauliche Vogel in unseren Gärten lebt, kann gerade jetzt zum Start der Gartensaison jeder etwas für den gefiederten Sympathieträger tun. Der Bestand des mit 3,4 bis 4,3 Millionen Brutpaaren achthäufigsten Vogels in Deutschland ist derzeit nicht gefährdet. Damit das so bleibt, müssen Gärten, Parks und Wälder möglichst naturnah gestaltet werden. Aber auch dieser Vogelart machen die Ausräumung der Landschaft, der Verlust an artenreichen Wegsäumen und Waldrändern, der Landschaftsverbrauch durch Überbauung und auch die Bejagung im Süden Europas zu schaffen.

 

„Erithacus rubecula, so der wissenschaftliche Name, ist bundesweit verbreitet. Er kommt auch bei uns in Thüringen in so gut wie jedem Garten vor“, sagt, Klaus Lieder, ein Vogelexperte des NABU Thüringen. „Man kann den auffällig schönen Vogel sehr oft beim Umgraben im Garten beobachten. Neugierig springt er auf und ab und wartet bis er eine Chance sieht, um sich ein Insekt zu schnappen.“ Rotkehlchen wissen genau, dass bei der Gartenarbeit Leckerbissen für sie freigelegt werden. Diese Verhaltensweise dürfte zur Beliebtheit und zum Sieg des Rotkehlchens bei der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres wesentlich beigetragen haben. Begeistern kann das Rotkehlchen zudem durch seinen schönen Gesang. Jeden Abend gibt er als fast letzter Vogel noch ein schönes Konzert im Garten.

 

Damit der Jahresvogel sich wohlfühlt, können Gartenbesitzende einiges tun. Die wichtigsten Tipps sind:

 

      Mut zur Unordnung! Wilde Inseln mit dichten Sträuchern sind für Erithacus rubecula ein Paradies. Hier findet es Schutz und unter am Boden liegenden Laub seine Nahrung. Es sucht nach Würmern, Schnecken, Spinnen und Insekten. In der kalten Jahreszeit mag es auch Beeren von heimischen Gehölzen, wie Vogelbeere und Weißdorn. Wer Wilde Inseln in seinem Garten zulässt, hilft nicht nur den Rotkehlchen sondern Tier- und Pflanzenarten. Hat man eine Wilde Insel, kann man sich beim NABU Thüringen um eine Auszeichnung bewerben.

 

      Kein Gift im Garten! Pestizide töten seine Nahrung. Ist nichts zu fressen da, macht es den Abflug.

 

      Keine versiegelten Flächen! Das Rotkehlchen braucht offene Böden. Ganz schlecht sind Schottergärten und Kunstrasen. Dort kann der Jahresvogel nicht leben, weil er kein Futter und keine Brutmöglichkeit findet.

 

      Befristeter Lockdown für Hauskatzen! Zur Brutzeit – insbesondere Ende April bis Ende Juni, wenn die Jungen flügge werden – Katzen am frühen Morgen und Vormittag nicht aus dem Haus lassen. Rotkehlchen brüten in offenen Nestern im Gebüsch und sind darum leichte Beute. Selbst die bloße Anwesenheit von Katzen kann Eltern davon abhalten, ihre Jungen zu füttern.

 

Der Vogel des Jahres 2021 ist aber nicht nur in Gärten und Parks zuhause. Zwei Drittel aller Rotkehlchen leben im Wald. Darum erfordert diese Art eine naturnahe Waldbewirtschaftung. Strukturreiche Wälder mit einer Strauchschicht und viel Totholz am Boden sind ideal.

 

Das Rotkehlchen ist der erste öffentlich gewählte Vogel des Jahres. Es hat mit 59.267 Stimmen (17,4 Prozent) vor Rauchschwalbe und Kiebitz das Rennen um den Titel unter den verbliebenen zehn Stichwahlkandidaten gemacht. Insgesamt über 455.000 Menschen beteiligten sich an der Wahl. Das Rotkehlchen trägt nun zum zweiten Mal nach 1992 den Titel. Weitere Informationen unter: www.NABU-Thueringen.de     

 

 

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