Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube

(Foto: NABU/Rosl Rößner)

 

 

Die Turteltaube – Vogel des Jahres 2020

 

Die Turteltaube ist mit einer Gesamtlänge – Schnabel- bis Schwanzspitze – von 27 cm die kleinste und zugleich seltenste der fünf in Deutschland vorkommenden Taubenarten. Ihr Name ist noch vielfach bekannt, weit weniger ihr Aussehen, ihre Lebensweise wie auch ihr bevorzugter Lebensraum. Oft wird im übertragenen Sinn ein öffentlich auffallend zärtlich-verliebtes Verhalten unter Menschen als „Turteln“ bezeichnet. Doch wer denkt dabei schon an die Turteltaube? Die meisten Menschen verstehen darunter das sog. „Schnäbeln“ und die soziale gegenseitige Gefiederpflege – eine bei Stadttauben häufig zu beobachtende Verhaltensweise.

 

Wer Vogelstimmen zu erkennen versteht, wird den mit „turr, turr-turr“ zu umschreibenden Balzgesang der Turteltaube eventuell auch schon in der weiteren Umgebung von Jena gehört haben. Hierzu sollte man sich im Mai/Juni in den Vormittags- oder Abendstunden an einem sonnigen Tag an die Ränder der Kiefernwälder begeben und dort aufmerksam lauschend entlang wandern. Auch ist die Turteltaube an ihrem schnittigen Flug gut zu erkennen. Beim Landen auf dem Feld, auf Bäumen oder Lichtleitungen präsentiert sie dann ihre weiß-leuchtende Schwanzendbinde.

 

Das Verbreitungsgebiet der Turteltaube erstreckt sich durch die Tiefländer Westeuropas bis Zentralasien und im Süden bis nach Nordafrika. Sie ist, im Gegensatz zu allen weiteren in Mitteleuropa verbreiteten Taubenarten, ein Langstreckenzieher, der südlich der Sahara überwintert. Bei uns erscheint sie Ende April/Anfang Mai. Sie zieht zwei Bruten auf und verlässt ihre Brutheimat bereits wieder im August bis Mitte September.

 

Steppen und Waldsteppenstandorte bieten die idealen Lebensräume für die Turteltaube. So fand sie auch in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft mit der einstigen kleinbäuerlichen Feldstruktur und eingestreuten Feldgehölzen gute Lebensbedingungen, ausreichend Nahrung und Brutplätze. Als Neststandort dienen der Turteltaube Gebüsche und Waldränder, in denen sie ihr meist aus dünnen Zweigen, Wurzeln und Halmen gebautes Nest relativ niedrig über dem Boden errichtet.

 

Der seit einigen Jahren zu beobachtende Bestandsrückgang hat verschiedene Ursachen. Dazu zählt auch die noch heute selbst in EU-Staaten West- und Südeuropas mögliche Bejagung. Doch primär ist es der Lebensraumverlust in unserer ausgeräumten Feldflur in Verbindung mit der fehlenden Nahrung während der Jungenaufzucht. Zu dieser zählen die Früchte von Knöterich, Mohn- und Hahnenfußgewächsen, Kreuz- und Schmetterlingsblütlern, Süßgräser, Fichten- und Kiefernsamen, auf dem Zug und im Überwinterungsgebiet ferner auch Weizen- und Reiskörner. Aus dieser Aufzählung wird sofort deutlich, dass die Turteltauben gerade während der Jungenaufzucht auf unseren Feldern unter extremen Nahrungsmangel leiden. Wir sind es, die wir mit unseren monotonen Feldflächen einen radikalen Wandel in der Landschaft verursacht haben, auf den die Natur – in diesem Fall mit dem Verschwinden eines der schönsten Vögel unserer Heimat – durch einen drastischen Bestandseinbruch oder gar dem Verlust der Turteltaube reagiert.

 

Dr. Dietrich von Knorre, Jena

 

Broschüre zur Turteltaube
Info_Turteltaube.pdf
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Leitfaden zum Schutz der Turteltaube
NABU_Aktionsleitfaden_Turteltaube.pdf
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