Vogel des Jahres 2019: Die Feldleche

(Foto: NABU/Manfred Delpho)

 

Die Feldlerche - Vogel des Jahres 2019

 

Wenn bereits nach 20 Jahren die Feldlerche erneut „Vogel des Jahres“ ist, so muss diese Tatsache eine ganz besondere Bedeutung haben. Zu fragen ist, was wollen wir mit dem „Vogel des Jahres“ erreichen? Es sind zweierlei Ziele: auf eine ganz bestimmte Vogelart soll die Aufmerksamkeit gelenkt werden und zugleich auch beispielhaft auf die Folgen unseres Tuns im Umgang mit der heimischen Natur. Leben und Biologie dieser einen Vogelart sollen ein Jahr lang in den Mittelpunkt unserer Arbeit gerückt werden. Dies Anliegen lässt sich ganz besonders eindringlich mit der Feldlerche, dem Vogel des Jahres 2019, belegen.

 

Mit der Viehhaltung und dem sich vor ca. 7.000 Jahren in Mitteleuropa entwickelnden Ackerbau verbreitete sich die Feldlerche und wurde zu einem häufigen Charaktervogel der offenen Landschaft. Wie kaum eine andere Art fand sie ideale Lebensbedingungen auf den durch den Menschen geschaffenen Freiflächen – auf Feldern, Brachen wie auch auf Kahlschlägen im Wald. Feuchtes Grünland wurde und wird dagegen wegen seines dichten Pflanzenwuchses gemieden. Doch diese für die Feldlerche idealen Lebensbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten extrem verschlechtert. Einst waren es die Getreidefelder, auf denen die Feldlerche mit gutem Erfolg ihre Nester bauen, Insekten suchen und Junge aufziehen konnte. Niedrige und lockere Vegetation zu Beginn der Brut bieten ideale Bedingungen zur Nestanlage und zugleich auch zur Nahrungssuche. Doch der Landwirt strebt hohe Erträge an und diese erreicht er mit dem Anbau von Wintergetreide sowie durch den Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln. Ein als dramatisch zu bezeichnender Bestandsrückgang von 90% und darüber trat ein. Dies ist die Folge veränderter Anbaubedingungen, die sich in einer kaum für möglich gehaltenen Erhöhung der durchschnittlichen Ernteerträge widerspiegeln. Wurden Mitte des 19 Jh. in Thüringen im Durchschnitt 10 Doppelzentner Weizen je Hektar geerntet, so verdoppelten sich die Erträge bis zur Jahrhundertwende auf 20 dz/ha, lagen 1990 bei 58 und liegen heute bei 75 dz/ha. Dies ist trotz erheblicher regionaler Unterschiede eine weltweite Entwicklung, die unter der Forderung zur Bekämpfung des Hungers durchaus verständlich und zu begrüßen ist. Die Erfolge haben vielfältige Ursachen. Sie beruhen u.a. auf Ergebnissen der Pflanzenzüchtung, aber auch auf der Schaffung großer Monokulturen. Diese Erhöhung der Erträge wird durch eine radikale Verarmung der Natur erkauft! Über die Folgen unseres Tuns müssen wir uns klar sein und nach Wegen suchen, wie sinnvoll gegengesteuert werden kann. Hier sind alle Mitbürger aufgefordert, ihr Denken und Handeln darauf zu richten, dass unser Hunger nicht durch Verhungern unserer Mitgeschöpfe gestillt wird. Damit würde der „Stumme Frühling“ zur traurigen Realität.

                                                                                                                                Dr. Dietrich von Knorre, Jena

 

 

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