Vogel des Jahres 2017: Der Waldkauz

(Bild: NABU - Peter Kühn)

Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

 

 

 

„An Eulen ist das Saalthal so reich, als sich für einen Musensitz gehört“, schrieb Ch. L. Brehm 1837 in seinem Aufsatz „Etwas über die Vögel bey Jena“. Und heute? - Ist Jena aus dieser Sicht noch ein Musenort? Von den acht Eulenarten, die Brehm aus der weiteren Umgebung bekannt waren, brüteten damals fünf Arten regelmäßig in und um unsere Stadt. Heute sind es auch noch fünf, doch gab es eine deutliche Verschiebung unter den Arten. Der durch seine auffälligen nächtlichen Rufe einst häufige Steinkauz – der Vogel der Minerva - ist verschwunden, dafür können wir uns heute in den Wäldern bei Jena gelegentlich an den Balzrufen des Rauhfusskauzes erfreuen.  

 

Die Veränderung der Wälder um Jena in ihrer Baumarten- und Altersklassenzusammensetzung hat hierauf einen entscheidenden Einfluss gehabt, denn Eulen sind Nachnutzer von Spechthöhlen. Für den Waldkauz sind dies die Bruthöhlen des Schwarzspechts, welche dieser bevorzugt in alten Buchen anlegt. Die früher in der Saaleaue vorhandenen Weiden und Schwarzpappeln sowie Linden entlang der Straßen mit ihren natürlichen Höhlen sind heute selten geworden. Diese Bäume fallen oftmals der sog. „Verkehrssicherungspflicht“ zum Opfer und so lenkt der Vogel des Jahres 2017 unsere Aufmerksamkeit unmittelbar auf unseren Umgang mit der uns umgebenden Natur.

 

Doch der Waldkauz scheut auch die Nähe zum Menschen nicht. Kirchtürme, Scheunen, Stall- und gelegentlich sogar Wohngebäude zählen ebenso zu seinen Brutplätzen. Erforderlich sind nur entsprechend große Einflugöffnungen und dahinter gelegene stille Nischen, die er als Brutplatz nutzen kann. Für diese Öffnungen hatten unsere Väter den speziellen, heute weitgehend vergessenen Begriff der „Uhlenflucht“. Hierbei handelte es sich um Öffnungen im Giebel von Walm- oder Satteldächern, die ursprünglich, vor dem Bau von Schornsteinen, als Rauchabzüge dienten, später aber bewusst für die Eulen offen gehalten wurden. So nimmt es nicht Wunder, wenn wir gelegentlich auf einem ungenutzten Schornstein eines Gebäudes am Stadt- oder Dorfrand einen Waldkauz am Tag sitzen sehen.

 

Wir haben es unmittelbar in der Hand, ob wir dem Waldkauz Wohnrecht bei uns einräumen. Noch erfreut uns der nächtliche Mäusejäger mit seinen weithin hörbaren Rufen.

Dr. Dietrich von Knorre, Jena

 

Machen Sie uns stark

Spenden an den NABU

Naturschutzjugend

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machen "action for nature"

NaturErlebnisHaus

Das NaturErlebnisHaus im Leutratal kann (als Gruppenunterkunft) über die NAJU gemietet werden:

http://www.naju-thueringen.de/naturerlebnishaus/