Orchideenführungen im Leutratal

Die Führungen beginnen von Anfang Mai bis Mitte Juni samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils um 10 Uhr und um 14 Uhr an der Informationstafel in der Ortsmitte von Leutra. Sie dauern ca. 2 Stunden bei einer Wegstrecke von ca. 3 km. Wir empfehlen festes Schuhwerk.

Für Führungen (Gruppen, Familien etc.) an anderen Tagen nehmen Sie bitte rechtzeitig Kontakt mit uns unter post1@nabu-jena.de auf.

 

An dieser Stelle sind weiterführende Informationen zu den Orchideen im Leutratal zu finden, unter anderem einen wöchentlich aktualisierten Report mit den gerade blühenden Orchideen (vergl. auch die bisherigen Blühtagebücher von 2015 bis 2021 unten auf dieser Seite).

 

Matthias Müller

(Verantwortlich für die Organisation der Führungen)

Aktueller Report zur Orchideenblüte im Leutratal

Letzter Eintrag:

 

24. August 2022:

Mal abgesehen davon, dass in 4 Monaten Weihnachten ist, angesichts der derzeitigen Temperaturen kann man sich das noch gar nicht recht vorstellen, aber vielleicht gibt es bis dahin endlich wieder einemal ergiebige Regenfällt, die Natur - und vielleicht noch mehr wir, die wir in und von der Natur leben - hat es nötig. Davon konnte ich mich heute beim nun schon fast traditionellen Besucht bei den Herbstdrehwurz (Spiranthes spiralis) in der Nähe von Gotha überzeugen. Auf den ersten Blick sah die Fläche geradezu vertrocknet aus, keine Herbstdrehwurz zu sehen, dafür mickrige, aber trotzdem hübsche Flockenblumen. Dort, wo im vergangenen Jahr noch ausgedehnte Bestände an Augentrost und Zahntrost zu finden waren, gab es jetzt nur vertrocknete Grasreste. Aber dann: die ersten Herbstdrehwurz, und die sahen gar nicht schlecht aus. Natürlich gab es größere und kleinere Pflanzen, aber das war bisher schon immer so. Auf dem Rückweg fielen mir dann immer mehr von diesen Orchideen auf, an denen ich vorher vorbei gelaufen war. Das ist eine Erfahrung die ich schon öfter gemacht habe und die selbst meinem Freund Horst Blume heute passiert ist, der sonst immer (fast) alles findet. An einer Ecke der Fläche, die zumindest am Vormittag im Baumschatten lieg, weshalb sich das Gras dort auch noch feucht anfühlte, waren dann sicher mehr als 50 Herbstdrehwurz zu sehen, selbst wenn man die Wiesenfläche nicht betreten hat.

 

Das war ein schöner Abschluss für die Orchideensaison 2022 und der (wahrscheinlich) letzte Eintrag für dieses Jahr. Ich bedanke mich bei allen, die mir auch in diesem Jahr Informationen und Hinweise gegeben haben und mit mir gemeinsam auf Orchideensuche gegangen sind. Ich schulde auch allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern meinen Dank, die an der Natur interessierte Menschen im Mai und im Juni zu den Orchideen im Leutratal geführt haben. Übrigens liegen die ersten Anmeldungen für Gruppenführungen im kommenden Jahr schon vor. Bis demnächst dann!

 

Chronologisch geordnete Einträge

 

15. Januar 2022:

Noch sind es ein paar Monate, die vergehen müssen, bevor dann die ersten Orchideen zu blühen beginnen. Aber natürlich kann man jetzt schon die Vorboten künftigen Blühens in Form der "Winterrosetten" verschiedener Orchideenarten finden. Hoffen wir also gemeinsam darauf, dass es wieder viele schöne Erlebnisse und Funde geben wird und dass uns Corona einigermaßen in Ruhe lässt.

Für alle, die sich näher mit den Orchideen in und um Jena sowie im Saale-Holzland-Kreis befassen wollen, sei das im Herbst 2021 erschienene Büchlein

     Orchideen in Jena und im Saale-Holzland-Kreis

     P. Rode, W. Heinrich, W. Westhus, P. Weißert, G. Gramm-Wallner

     ISBN 978-3941791213

empfohlen. Auf gut 200 Seiten wird ein kenntnisreicher, detaillierter Überblick über die im genannten Gebiet vorkommenden Orchideen gegeben, einschließlich zur Suche anregenden Angaben zu den Vorkommen.

 

 

15. Februar 2022:

In zwei Monaten, also Mitte April, werden hoffentlich die ersten Orchideen blühen, aber bis dahin müssen wir uns nicht nur mit den Winterrosetten begnügen, denn in der Natur geht das "große Blühen" nun allmählich los.

Im Rautal bei Jena wird gerade der ausgedehnte Blütenteppich der Winterlinge (Eranthis hyemalis) von vielen Besuchern bewundert. Die gelben Blüten öffnen sich bei Sonnenschein. Dann kann man nicht nur das Summen der Bienen hören, sondern auch den intensiven süßen Duft gut wahrnehmen. Leider trüben die oft schlammigen Wege das Vergnügen etwas, aber so ist eben Natur! Natürlich gibt es auch immer größere Flächen mit Winterlingen an befestigten Wegen, zum Beispiel am Ammerbach (Kreuzung Ammerbacher und Winzerlaer Straße). Auch immer mehr Schneeglöckchen blühen, und das nicht nur in den Gärten.

Im Reinstädter Grund blühen im Wald Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum), die allerdings nicht heimisch sind, sondern vor über 70 Jahren dort angesiedelt wurden. Während um Jena an vielen Stellen die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) zu blühen begonnen hat, kann man im Reinstädter Grund vereinzelt die Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) blühen sehen.

 

 

15. März 2022:

Bei seiner jährlichen Inspektion auf dem Göschwitzer Friedhof hat Dr. Wolfgang Heinrich über 100 Rosetten der Bocksriemenzunge und fast 60 der Bienenragwurz gefunden und markiert, damit bei den Pflegearbeiten durch die Friedhofsverwaltung besser darauf geachtet werden kann. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die dortigen Mitarbeiter sich darum bemühen, die Pflanzen möglichst nicht zu beschädigen, was allerdings nicht immer realisiert werden kann.

Ansonsten gibt es immer mehr Anzeichen für den Frühling. Während die Winterlinge schon im Abblühen oder bereits verblüht sind, stehen die Märzenbecher noch schön in Blüte. An den entsprechenden Stellen blüht auch das Lungenkraut und natürlich die Leberblümchen sowie Seidelbast. Im Leutratal haben die Frühlingsadonisröschen die ersten Blüten geöffnet. Auch die Kuhschellen blühen. Leider sind auch schon wieder Ausgrabungsstellen von Kuhschellen zu finden. Schade, zumal man die auch im Gartenmarkt erwerben kann.

 

 

10. April 2022:

Vor zwei Jahren blühten um diese Zeit das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) und die Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes). Das ist in diesem Jahr noch nicht so weit. Grund dafür ist das kalte Wetter der letzten Wochen.

Ich war heute auf dem Forst und habe nach dem Blasen Knabenkraut geschaut. Es gibt viele Pflanzen, aber wenn, dann sind die Knospen noch gut verhüllt. Das trifft auch auf die Spinnenragwurz zu, wie mir berichtet wurde. Ich denke, dass es noch bestimmt 10 Tage braucht, bis die Pflanzen aufblühen. Aber auch ohne die Orchideen bietet der lichte Wald mit einem Teppich aus weiß blühenden Buschwindröschen (Anemone nemorosa), ihrer "Schwester" mit gelben Blüten (Anemona ranuncoloides), blauen oder violetten Leberblümchen (Hepatica nobilis), Schlüsselblümchen (Primula veris) und Kleinem Immergrün (Vinca minor) einen schönen Anblick, vor allem bei Sonnenschein.

 

 

13. April 2022:

Im Gleistal haben die Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) zu blühen begonnen, Zwar sind es erst wenige Pflanzen, an denen eine, selten mehr Blüten geöffnet sind, aber es ist ein Beginn. Weitere Pflanzen stehen in den Startlöchern und werden ihre Blüten sicher bald öffnen.

 

 

24. April 2022:

Am nächsten Wochenende werden die Führungen beginnen. Es ist allerdings so, dass mit Stand heute erst (ganz) wenige Orchideen zu blühen begonnen haben. Bis auf ein Helmknabenkraut (Orchis militaris) habe ich nur Hybrid-Knabenkraut (O. militaris x purpurea) mit geöffneten Blüten oder im Aufblühen gesehen, auch wenn die purpurfarbenen Knospenstände dazu verleiten an Purpurknabenkraut zu denken. Die Knospen der Bocksriemenzungen sind noch gut "verpackt". Wir hatten schon Jahre, in denen der Frühling und mit ihm die Orchideen deutlich weiter voran gekommen waren, aber auch Jahre, in denen es nicht so war.

Meine Empfehlung: wer noch warten kann, sollte mit einem Besuch im Leutratal noch bis zum zweiten, besser bis zum dritten Maiwochenende warten. Ich werde aber am Freitag nach dem Treffen der "Führer" den Stand noch einmal aktualisieren. Vielleicht wird es ja doch wärmer und/oder es regnet wieder einmal. Dann kann ich hoffentlich auch etwas zur Korallenwurz sagen - vorausgesetzt wir finden sie!

 

 

29. April 2022:

Morgen geht es los, und auch wenn es noch ganz am Anfang der Saison ist, es gibt auch schon etwas zu sehen. Entlang der Strecke unserer Führungen blühen

Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Hybridknabenkraut (Orchis x hybrida)

Purpurknabenkraut (Orchis purpurea)

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

Die Korallenwurz (Corallorhiza trifida) erscheint auch, ist aber noch in Knospe und sollte dann am nächsten Wochenende blühend zu bewundern sein. Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum) zeigen die knospigen Blütenstände, das ist bei den Zweiblättern (Neottia ovata, früher: Listera ovata) und bei den Grünlichen Walghyazinthen (Plantanthera chlorantha) auch der Fall, bis zur Blüte wird es aber noch dauern. Vom Frauenschuh ist noch nicht viel zu sehen.

An anderen Stellen, die war aber nicht besuchen, blühen Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) und Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) sowie vielleicht auch schon Dreizähniges und Brandknabenkraut (Neotinea tridentata und N. ustulata),

 

 

06. Mai 2022:

Tut mir leid, dass es diesmal mit der Aktualisierung erst am Freitag geklappt hat, aber mein Netzzugang zuhause ist gestört.

Die gute Nachricht: es blüht sehr schön! Außer den bereits vermeldeten Arten der Vorwoche

Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Hybridknabenkraut (Orchis x hybrida)

Purpurknabenkraut (Orchis purpurea)

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

blühen nun auch

Korallenwurz (Corallorhiza trifida) und

Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis)

Mit ein bisschen Glück haben dann am Wochenende auch die Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum) zu blühen begonnen. Für die Zweiblätter (Neottia ovata, früher: Listera ovata) und die Grünlichen Waldhyazinthen (Plantanthera chlorantha) wird es bis zur Blüte aber noch dauern. Vom Frauenschuh sind an geeigneten Stellen bereits Knospen zu sehen, an anderen Stellen ist er weiter zurück. Darüber hinaus blühen Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) und Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) sowie Dreizähniges und Brandknabenkraut (Neotinea tridentata und N. ustulata), die wir aber während der Führungen nicht zeigen können.

 

 

12. Mai 2022:

Gegenwärtig blühen im Leutratal:

Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Hybridknabenkraut (Orchis x hybrida)

Purpurknabenkraut (Orchis purpurea)

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

Korallenwurz (Corallorhiza trifida)   am Verblühen!

Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis)

Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Die Grünlichen Waldhyazinthen (Plantanthera chlorantha) könnten noch am Wochenende aufblühen. Die Weißen Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) zeigen ebenfalls Knospen.

Brandknabenkraut und Dreizähniges Knabenkraut (Neotinea ustulata bzw. N. tridentata) blühen weiterhin, Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula) hat zu blühen begonnen. Dagegen sind Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) und Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) am Verblühen. Aber diese Orchideen sind während unserer Führungen nicht zu sehen.

 

 

19. Mai 2022:

Die Hitze und (vor allem) der fehlende Regen sorgen dafür, dass die Orchideen sichtbar leiden und recht rasch verblühen. Das betrifft besonders die schon seit drei Wochen blühenden Knabenkräuter, von denen aber noch ausreichend neben und in den Büschen blühen:

Helmknabenkraut (Orchis militaris)

Hybridknabenkraut (Orchis x hybrida)

Purpurknabenkraut (Orchis purpurea)

Am Verblühen bzw. bereits verbüht ist die Korallenwurz (Corallorhiza trifida), man findet aber die Pflanzen mit Samenansatz noch, vielleicht auch mit viel Glück einzelne blühende Exemplare.

Weiterhin blühen

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera)

Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis).

Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum) blühen in diesem Jahr in so großer Anzahl, wie ich sie noch nie im Leutratal erlebt habe.

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Grünliche Waldhyazinthe (Plantanthera chlorantha)

Weiße Waldhyazinthe (Plantanthera bifolia)

Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)

Frauenschuh (Cypripedium calceolus) blüht, aber den können wir auf unserem Rundgang nicht zeigen.

Wir möchten alle an den Orchideen im Leutratal Interessierte darum bitten sich auf hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung einzustellen. Selbst eine kleine Runde ist körperlich anstrengend und schweißtreibend. Bitte nehmen Sie ausreichend Getränke mit.

 

 

25. Mai 2022:

Hybridknabenkraut (Orchis x hybrida) und Purpurknabenkraut (Orchis purpurea) sind immer mehr am Verblühen, vom Helmknabenkraut (Orchis militaris) gibt es aber noch sehr ansehnliche Exemplare. Je mehr die Pflanzen im Schattenbereich von Gebüschen stehen, desto "frischer" sind sie noch.

Im Buchenwald findet man mit ein wenig Glück noch blühende Korallenwurz (Corallorhiza trifida), die meisten Pflanzen habe aber bereits Samenansatz oder sind schon vertrocknet. Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) und Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) sind dort noch reichlich zu finden.

Ansonsten blühen

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) (am Verblühen)

Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum)

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Grünliche Waldhyazinthe (Plantanthera chlorantha)

Weiße Waldhyazinthe (Plantanthera bifolia)

Mückenhändelwurz (Gymnadenie conopsea) hat zu Blühen begonnen.

Rote Waldvöglein (Cephalanthera rubra) und Braunrote Sitter/Stendelwurz (Epipactis atrorubens) zeigen erste gefärbte Knospen. Es erschienen auch immer mehr Pflanzen der später blühenden Sitter-/Stendelwurzarten.

 

 

02. Juni 2022:

Das Verblühen der Knabenkräuter geht trotz der Regenschauer in den letzten Tagen zügig weiter. Lediglich vom Helmknabenkraut (Orchis militaris) gibt es noch blühende Exemplare.

Im Buchenwald blühen Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) und auch noch Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium), die ersten Roten Waldvöglen (Cephalanthera rubra) haben zu blühen begonnen.

Nach wie vor blühen:

Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum)

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Grünliche Waldhyazinthe (Plantanthera chlorantha)

Weiße Waldhyazinthe (Plantanthera bifolia)

Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea)

Bienenragwurz (Ophrys apifera)

 

 

09. Juni 2022:

Die Knabenkräuter sind nun endgültig verblüht, werden aber von reichlich erblühten Händelwurz und Waldhyazinthen "ersetzt". Auch das Weiße Waldvöglein ist verblüht.

Blühend zu finden sind:

Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum)

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Grünliche Waldhyazinthe (Plantanthera chlorantha) stark im Abblühen

Weiße Waldhyazinthe (Plantanthera bifolia)

Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea)

Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) im Abblühen

Bienenragwurz (Ophrys apifera)

Rotes Waldvöglen (Cephalanthera rubra)

Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis)

Braunrote Sitter/Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

Die später blühenden Sitter/Stendelwurz wachsen und gedeihen.

 

 

16. Juni 2022:

Am vergangenen Wochenende waren die letzten öffentlichen Führungen zu den Orchideen im Leutratal für das Jahr 2022. Das warme und vor allem sehr trockene Wetter hat (leider) dafür gesorgt, dass die Orchideen nun recht schnell verblühen. Selbst die spät blühenden Stendelwurz/Sitter-Arten scheinen unter der Kombination Trockenheit und Wärme zu leiden.

Blühend zu finden sind:

Bocksriemenzungen (Himantoglossum hircinum) stark im Abblühen und Vergehen

Großes Zweiblatt (Neottia ovata)

Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea)

Bienenragwurz (Ophrys apifera)

Rotes Waldvöglen (Cephalanthera rubra)

Braunrote Sitter/Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

 

 

01. Juli 2022:

Ich habe mir eine Woche Pause gegönnt, in der ich zwar im Leutratal war, aber nur kurz. Bis auf die Sitter-/Stendelwurzarten sind die anderen Orchideen verblüht. Das betrifft aber auch schon die Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla), die im Leutratal wohl nicht einmal eine Woche lang geblüht hat. An den feuchten Standorten in Jenas Umgebung (Hangquellmoore u.ä.) blühen gerade Sumpfsitter/-stendelwurz (Epipactis palustris). Ich werde in der nächsten Woche im Reinstädter Grund bzw. auf den umgebenden Höhen nach den anderen Epipactis-Arten sehen. Mal sehen, was sich finden lässt.

Trockenheit und hohe Temperaturen scheinen dafür zu sorgen, dass das Kriechende Netzblatt (Goodyera repens) erneut eher spärlich anzutreffen ist. Aber vielleicht entwickelt sich da ja auch noch etwas.

 

 

08. Juli 2022:

Bei einem Besuch auf dem Schönberg, wo um diese Zeit sonst zuverlässig verschiedene Sitter-/Stendelwurzarten zu finden sind, konnten wir nur einige wenige blühende Pflanzen Schmalllippige Sitter/Stendelwurz (Epipactis leptochila) finden, vielleicht waren es auch Übersehene Sitter/Stendelwurz (E. neglecta), das müssen wir uns noch einmal anhand der Bilder der Blüten genauer anschauen. Von anderen Sitter/Stendelwurz waren die Knospen abgebissen oder vertrocknet, von Müllers Sitter/Stendelwurz und Breitblättrige Sitter/Stendelwurz war an den bekannten Stellen nicht zu sehen, noch nicht?

Dafür habe ich heute an einer Exkursion des AHO-Regionalsektion Jena-SHK zu einem Standort der Dichtblütigen Händelwurz (Gymnadenia densiflora) teilgenommen, an dem geschätzt etwa 500 blühende Pflanzen zu sehen waren. Dabei sind auch die Unterscheidungsmerkmale zur Mückenhändelwurz diskutiert worden, aber ohne dass bestimmt wird, ob ein diploider (Gymn. densiflora) oder ein polyploider Chromosomensatz (Gymn. conopsea) vorliegt, bleibt es wohl schwierig, die Arten sicher zu unterscheiden.

 

 

 

13. Juli 2022:

Ich war wohl doch etwas voreilig mit meiner Feststellung, dass die Orchideenzeit nun zügig zu Ende geht. Am Samstag war die AHO-Regionalsektion Jena-SHK zu einer (weiteren) Exkursion auf den Kernbergen zur Suche nach dem Kriechenden Netzblatt (Goodyera repens), einer Orchideenart, die unter dem warmen und viel zu trockenen Klima wohl besonders leidet. Dank der ortskundigen Führung durch Horst Blume konnten an zwei dicht beieinander liegenden Standorten mehr als 20 bzw. sogar mehr als 50 Pflanzen gefunden werden, die meisten allerdings noch eher im Jugendstadium. Nur wenige Blütentriebe waren zu sehen, und an nur einem hatte sich eine Blüte geöffnet. Diesen trotzdem erfreulichen Fund konnte auch der einsetzende Regen nicht trüben.

Im Pennickental waren am Dienstag blühende und stark duftende Händelwurz zu finden, und nach dem, was ich am vergangenen Freitag gelernt habe, würde ich sie als Dichtblütige Händelwurz (Gymnadenia densiflora) einordnen. Der Hauptgrund der Erkundung waren aber die blühenden Schmallippigen Sitter/Stendelwurz (Epipactis leptochila) und fruchtende Kleiblättrige Sitter/Stendelwurz (Epipactis microphylla), die wohl bereits vor 14 Tagen in Vollblüte standen und schnell verblüht sind. Von beiden Arten gab es jeweils doch erfreulicherweise recht viele Exemplare zu sehen.

 

30. Juli 2022:

Auch wenn es über Nacht anhaltend geregnet hat, das reicht noch lange nicht! Und für die Kriechenden Netzblätter (Goodyera repens), die jetzt eigentlich blühen sollten, kommt es in den meisten Fällen zu spät. Deren Knospen sind oft am Blütenstand vertrocknet, bestenfalls ein paar hatten sich kurzzeitig geöffnet. Dabei lassen sich erfreulicherweise trotz der widrigen klimatischen Umstände doch recht viele Pflanzen finden, allerdings braucht es dazu gute Augen und ein Verständnis dafür, unter welchen Bedingungen die kleinen Pflänzchen überhaupt zu erwarten sind. Leichter geht es mit einem Führer, wie meinem Freund Horst Blume, der ein sagenhaftes Gespür dafür hat, wo sie zu finden sein könnten. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sich die Pflänzchen im Moos regelrecht verkriechen, so dass man sie am einfachsten findet, wenn man die Blütenstände erkennt, egal ob die von diesem Jahr oder die ausgesamten aus dem Vorjahr. Beim vorsichtigen Nachsuchen im Moospolster lassen sich dann oft 10 oder 20 weitere Pflänzchen auf kleiner Fläche entdecken.

Was jetzt noch an Orchideen aussteht? In Jena und Umgebung ist das auf jeden Fall die Violette Sitter/Stendelwurz (Epipactis purpurata), die jetzt blühen sollte und die ich in der kommenden Wochen "besuchen" werde. Zum Abschluss der Saison geht es dann zur Herbstdrehwurz (Spiranthes spirales) weiter weg in die Gothaer Gegend, aber das hat noch ein bisschen Zeit.

 

03. August 2022:

Es ist das eingetreten, was fast zu erwarten war. Auch die Violette Sitter/Stendelwurz (Epipactis purpurata) hat das gleiche "Schicksal" erlitten, wie bereits bei den meisten anderen Arten dieser Gattung vorgefunden. Ein paar wenige untere Blüten waren kurzzeitig geöffnet und sind dann rasch vertrocknet, die oberen Knospen sind gleich vertrocknet ohne sich geöffnet zu haben. Und das ist trotz des eher schattigen Standortes passiert. Schade, aber nicht zu ändern.

 

10. August 2022:

Ich muss mich in eigener Sache äußern und danke meinem Freund Jochen Eislöffel dafür, dass er mich auf diese Sache aufmerksam gemacht hat. Wenn ich etwas zur Blühsituation der Orchideen schreibe, dann betrifft das in der Regel die Situation an den Stellen, die ich kenne und aufsuche oder von denen mir jemand berichtet hat. Ich weiß natürlich, dass es andere Standorte gibt, an denen die Situation ganz anders sein kann. Und das betrifft aktuell die Violette Sitter/Stendelwurz (Epipactis purpurata). Jochen Eislöffel hat mir von "seinem" Standort berichtet, dass dort die E. purpurata richtig schön blühen. Zum Glück ist die Natur so vielfältig!

 

24. August 2022:

Mal abgesehen davon, dass in 4 Monaten Weihnachten ist, angesichts der derzeitigen Temperaturen kann man sich das noch gar nicht recht vorstellen, aber vielleicht gibt es bis dahin endlich wieder einemal ergiebige Regenfällt, die Natur - und vielleicht noch mehr wir, die wir in und von der Natur leben - hat es nötig. Davon konnte ich mich heute beim nun schon fast traditionellen Besucht bei den Herbstdrehwurz (Spiranthes spiralis) in der Nähe von Gotha überzeugen. Auf den ersten Blick sah die Fläche geradezu vertrocknet aus, keine Herbstdrehwurz zu sehen, dafür mickrige, aber trotzdem hübsche Flockenblumen. Dort, wo im vergangenen Jahr noch ausgedehnte Bestände an Augentrost und Zahntrost zu finden waren, gab es jetzt nur vertrocknete Grasreste. Aber dann: die ersten Herbstdrehwurz, und die sahen gar nicht schlecht aus. Natürlich gab es größere und kleinere Pflanzen, aber das war bisher schon immer so. Auf dem Rückweg fielen mir dann immer mehr von diesen Orchideen auf, an denen ich vorher vorbei gelaufen war. Das ist eine Erfahrung die ich schon öfter gemacht habe und die selbst meinem Freund Horst Blume heute passiert ist, der sonst immer (fast) alles findet. An einer Ecke der Fläche, die zumindest am Vormittag im Baumschatten lieg, weshalb sich das Gras dort auch noch feucht anfühlte, waren dann sicher mehr als 50 Herbstdrehwurz zu sehen, selbst wenn man die Wiesenfläche nicht betreten hat.

 

Das war ein schöner Abschluss für die Orchideensaison 2022 und der (wahrscheinlich) letzte Eintrag für dieses Jahr. Ich bedanke mich bei allen, die mir auch in diesem Jahr Informationen und Hinweise gegeben haben und mit mir gemeinsam auf Orchideensuche gegangen sind. Ich schulde auch allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern meinen Dank, die an der Natur interessierte Menschen im Mai und im Juni zu den Orchideen im Leutratal geführt haben. Übrigens liegen die ersten Anmeldungen für Gruppenführungen im kommenden Jahr schon vor. Bis demnächst dann!

 

 

Liste der im Leutratal vorkommenden Orchideenarten
ListeOrchideenartenLeutratal.pdf
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Blühbeginn der Orchideen im Leutratal
OrchideenLeutratalBlühbeginn.pdf
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Anmerkung: Die Angaben beziehen sich auf den Blühbeginn der entsprechenden Arten im Leutratal (außer Orchis pallens, Ophrys sphegodes, Goodyeara repens und Epipactis purpurata) und auf die Woche, in der das angegeben Datum liegt, denn ich gehe natürlich nicht jeden Tag zum Nachschauen.

Wöchentlich aktualisierter Report zur Orchideenblüte 2021
Blühtagebuch2021.pdf
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Wöchentlich aktualisierter Report zur Orchideenblüte 2020
Blühtagebuch2020.pdf
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Reports zur Orchideenblüte im Leutratal 2015 - 2019
BlühtagebücherLeutratal2015-2019.pdf
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