Orchidee des Jahres 2019: Dreizähniges Knaben-kraut (Orchis tridentata, Neotinea tridentata)

Bild: E. Biedermann (AHO Thüringen e.V.)

Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata, Neotinea tridentata)

 

 

Das Dreizähnige Knabenkraut ist ein Knollengeophyt aus der Familie der Orchideen. Bereits im Herbst (ab Oktober) treiben kleine Blattrosetten aus (sog. Winterblätter). Die Blütezeit liegt in unserem Raum Anfang bis Mitte Mai. Die blühenden Pflanzen erreichen eine Höhe von 15–40 cm. Die Blütenstände sind beim Aufblühen kegelförmig, später ei- bis walzenförmig. Unter einem von den anderen 5 Blütenblättern gebildeten Helm ist die charakteristisch dreizähnige Lippe ausgebildet. Die Färbung von Orchis tridentata kann sehr variieren: Von fast weißen bis zu kräftig purpurn gefärbten Blüten ist ein breites Farbenspektrum zu beobachten. Selten kann man auch ganz weißblühende Pflanzen finden. Seit seiner Erstbeschreibung durch G. A. Scopoli im Jahr 1772 zählte diese Art zur Gattung Orchis (Knabenkraut). Nachdem man einen großen Teil der europäischen Orchideenarten genetisch untersucht hatte, wies ein Forscherteam um den englischen Botaniker R. Bateman im Jahr 1997 darauf hin, dass unsere Art (wie auch das Brand-Knabenkraut, Orchis ustulata) besser zur Gattung Neotinea (Keuschorchis) zu stellen sei, was von den meisten neueren Orchideenfloren auch anerkannt wurde. Die enge Verwandtschaft zum Brand-Knabenkraut wird auch durch die leichte Kreuzbarkeit beider Arten deutlich. Die charakteristische Hybride, nach dem Ziegenhainer Botaniker David Dietrich Orchis (Neotinea) x dietrichiana, benannt, kommt an allen gemeinsamen Vorkommensorten der beiden vor. Auch im Jenaer Raum ist sie aktuell von drei Stellen bekannt. An einer der Stellen hat der Anteil der Hybride am Gesamtbestand in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen: von durchschnittlich 25-30 % in den Jahren 2007-2009 auf jeweils über 50 % in den Jahren 2015-2018. Es ist in Thüringen typisch für die Zechsteinregionen am Südrand des Thüringer Waldes und in der Orlasenke (Bryozoenriffe). Dort bildet es – entsprechende Pflege, meist durch Schafbeweidung, vorausgesetzt – reiche Bestände aus. Damit stellen die Vorkommen im Jenaer Raum Besonderheiten dar, denn sie befinden sich im Bereich des Muschelkalks. Nach 2000 wurde diese Art noch von sechs Vorkommensbereichen nachgewiesen. Dazu kommen jeweils einmal gemeldete Nachweise von vier Fundstellen, die später nicht wieder bestätigt wurden. Die sechs größeren Vorkommen der Art (mehr als 10 bis mehr als 1.000 Individuen) befinden sich alle innerhalb von Naturschutzgebieten. Formal ist die Schutzsituation also sehr gut. Als Charakterart der Halbtrocken- und Magerrasen ist Orchis tridentata jedoch auf eine Bewirtschaftung oder Pflege ihrer Lebensräume angewiesen. Und damit steht es im Jenaer Raum leider nicht zum Besten: Nicht eines der Vorkommen wird durch eine Bewirtschaftung durch Landwirtschaftsbetriebe (Beweidung oder Mahd) erhalten, alle Flächen müssen gepflegt werden. Die herkömmlichen Fördermittel zur Biotoppflege (KULAP für Landwirte, NALAP für Privatpersonen und Verbände) erweisen sich für Arten wie das Dreizähnige Knabenkraut als weitgehend wirkungslos. So gesehen wirkt die Einstufung dieser Art in die Kategorie „stark gefährdet“ der Roten Liste Thüringens gerechtfertigt. Auch wenn durch den guten Pflegezustand ihrer Wuchsorte die Bestände der Art in den letzten Jahren eher zugenommen haben, hängen solche Arten doch am „Tropf“ der jeweiligen Haushaltsmittel des Landkreises bzw. der Stadt Jena, die jährlich verhandelt werden müssen. Und somit kann sich ihre Gefährdung sofort stark erhöhen, wenn die Biotoppflege eingestellt werden muss. Auch im Hinblick auf die hohe Bedeutung der Biotope, in denen das Dreizähnige Knabenkraut im Jenaer Raum vorkommt, ist dieser Zustand bedenklich, handelt es sich doch durchgehend um (meist sogar prioritäre) Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie, also um Lebensräume von europäischer Bedeutung.

 

                                                                                                                                                         Peter Rode, Stadtroda

 

 

 

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