Orchidee des Jahres 2017: Weißes Waldvöglein Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce

 

Das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) - Orchidee des Jahres 2017

 

 

 

Nach mehreren Jahren ist einmal wieder eine auch in Thüringen häufige und weit verbreitete Orchidee von den Vorständen der deutschen Arbeitskreise Heimische Orchideen zur Orchidee des Jahres gekürt worden. Es handelt sich um das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium). Im Jahr 2000 war mit dem Roten Waldvöglein (Cephalanthera rubra) schon einmal eine Art dieser Gattung Orchidee des Jahres gewesen.

 

Die Gattung Cephalanthera, deren nächste Verwandte unter den heimischen Orchideen die Stendelwurz-, Nestwurz- und Zweiblattarten sind, umfasst je nach systematischer Auffassung 12 bis 15 Arten. Den Namen „Waldvöglein“ hat die Gattung erhalten, weil die weit geöffneten Blüten der anderen beiden heimischen Arten (Rotes und Schwertblättriges W.) an einen Vogel erinnern. Bei unserer Art bleiben dagegen die Blüten meist geschlossen. Dies deutet darauf hin, dass häufig Selbstbestäubung eintritt. Das Vorkommen von Hybriden mit anderen Arten der Gattung, die auch für Thüringen schon nachgewiesen wurden, weist allerdings darauf hin, dass in seltenen Fällen auch eine Bestäubung durch Insekten (meist sind es wohl Bienen oder Hummeln) stattfinden kann.

 

Das Weiße Waldvöglein ist ein Rhizomgeophyt, es besitzt also keine Knollen wie viele andere heimische Orchideenarten. Oftmals werden aus einem Rhizom mehrere, in geringem Abstand voneinander stehende Austriebe gebildet. Am grünen Stängel sitzen 3-6 grüne, eiförmige und zugespitzte Laubblätter. Die Pflanze kann bis zu 50-60 cm hoch werden. Im endständigen Blütenstand zeigen sich bis zu 15 weiße bis leicht gelbliche Blüten. Die Blütezeit reicht in unserem Gebiet von Mitte Mai bis Mitte Juni. Später im Jahr werden die winzigen Samen aus den Fruchtkapseln entlassen; die Fruchtstände kann man oft noch im Winter oder sogar im folgenden Jahr beobachten.

 

Das Weiße Waldvöglein ist eine der häufigsten heimischen Orchideen, auch im Jenaer Raum. Sie kommt hier in einer ganzen Reihe von Biotoptypen vor. Schwerpunkt ihrer Verbreitung sind lichte Wälder, vor allem Buchenwälder. Eine Gruppe von Buchenwaldgesellschaften trägt sogar den Namen Cephalanthero-Fagion (Orchideen-Buchenwälder). Sie fehlt aber in den Muschelkalkgebieten auch nicht in Kiefernforsten, kommt daneben aber auch in Gebüschen und Wiesen vor. In den letzten Jahren wird sie zunehmend sogar in innerörtlichen Rasenbiotopen gefunden, so an mehreren Stellen im Stadtgebiet von Jena, aber auch auf Friedhöfen, wie zum Beispiel in Schkölen. Im Jahr 2015 traten sogar einige Pflanzen auf dem Friedhof des unweit von Schkölen gelegenen Ortes Grabsdorf auf.

 

Noch ist Cephalanthera damasonium in Thüringen nicht gefährdet. Sie kommt im Muschelkalkgebiet in allen Naturschutzgebieten und in vielen Flächennaturdenkmalen und Geschützten Landschaftsbestandteilen vor. Selbst im Buntsandsteingebiet gibt es kleinere Vorkommen, so am „Gletscherstein“ bei Ruttersdorf oder in der ehemaligen Tongrube bei Großbockedra. In Jena und im Saale-Holzland-Kreis ist es, betrachtet man die Funde seit 1990, die dritthäufigste Orchideenart.

 

 

 

Literatur:

 

Arbeitskreise Heimische Orchideen Deutschlands (Hrsg., 2016): Die Orchidee des Jahres 2017. Weißes Waldvöglein Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce. – Faltblatt, 6 S.

 

Dietrich, H. (2014): Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce Bleiches Waldvöglein. – In: Heinrich, W. et al. (2014): Thüringens Orchideen. – Uhlstädt-Kirchhasel: Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. – 324–331.

 

Heinrich, W., H. Voelckel, P. Rode, H. Dietrich, K. Bockhacker, P. Weissert, F. Falke (1999): Orchideen im Saale-Holzland-Kreis und der Stadt Jena. – Uhlstädt: Arbeitskreis Heimische Orchid. Thüringen. –  96 S.

 

 

 

Peter Rode (Stadtroda)

 

 

Hier können Sie den Flyer zur Orchidee des Jahres herunter laden:

Das Weiße Waldvöglein
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