Jungvögel nicht einfach mitnehmen

NABU Thüringen: Bettelnde Rufe des Vogelnachwuchses sind in der Regel keine Hilferufe

 

Die Brutsaison in der Vogelwelt nimmt Fahrt auf und beim NABU Thüringen häufen sich die Anfragen zu mutmaßlich verwaisten Jungvögeln. In den meisten Fällen brauchen bettelnde Vogeljunge jedoch nicht die Hilfe des Menschen. „Es scheint zwar so, als ob die die Tiere verwaist sind. Doch der Eindruck täuscht oft. Die Jungen vieler Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. In der Regel handelt es sich aber nicht um Waisen, sondern um fast flugfähige Jungvögel mit beinahe vollständig ausgebildetem Gefieder“, sagt Klaus Lieder, ein Vogelexperte des NABU Thüringen. „Die Jungvögel kommunizieren durch ihre Bettelrufe mit ihren Eltern. Sobald keine Menschen mehr in der Nähe sind, kümmern sich die Eltern wieder um ihre Kinder.“

Der NABU Thüringen bittet Naturfreund*innen darum, Jungvögel auf keinen Fall mit nach Hause zu nehmen, um sie zu pflegen. Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Nur wenn Jungvögel an gefährlichen Orten wie Straßen und Gehwegen sitzen oder akut von Katzen bedroht sind, sollte man sie vorsichtig aufheben und ins nächste Gebüsch setzen. Anders als bei Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden. Tatsächliche Hilfe benötigen befiederte Jungvögel nur, wenn nach mehreren Stunden immer noch keine Altvögel in deren Nähe zu sehen sind. „Diese Beobachtung gestaltet sich allerdings schwierig und muss von weitem mit dem Fernglas über mehrere Stunden geschehen“, rät der NABU-Vogelexperte. „Da kann es aber auch schon mal passieren, dass genau in einer Observationspause die Vogeleltern zurückkommen, sich kümmern und nach der Pause wieder verschwunden sind.“

Keine Regel ohne Ausnahme: Bei sommerlichen Hitzewellen kommt es vor, dass vermehrt junge Mauersegler gefunden werden. Weil Mauersegler vor allem in hohen Gebäuden unter Dächern und in exponierten Nistkästen brüten, erhitzen sich ihre Nistquartiere mitunter auf 60 bis 80 Grad Celsius. Auf der Suche nach Abkühlung am luftigen Nesteingang stürzen dann immer wieder Jungtiere ab und bleiben hilflos am Boden liegen. Selbst wenn sie den Sturz unverletzt überstehen, sind ihre Überlebenschancen leider gering. Denn im Gegensatz zu anderen Vogelarten füttern Mauersegler ihre Jungen nicht außerhalb des Nestes.  Geholfen werden kann den Jungvögeln nur mit einer Handaufzucht, sie sollten deshalb in die professionelle Obhut einer Wildvogelstation gegeben werden. Manchmal kommt es auch vor, dass die ersten Flugversuche der Jungvögel scheitern und sie auf dem Boden landen. Sind diese Tiere vollbefiedert, unverletzt und flugfähig, kann man versuchen sie an einen hohen Punkt neu starten zu lassen. Klaus Lieder warnt aber eindringlich davor, den Mauersegler zur Starthilfe in die Luft zu werfen. Die Vögel können sich hierdurch neue Verletzungen zuführen.

 

Hintergrundinformationen

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz dürfen Jungvögel nur vorübergehend und nur dann aufgenommen werden, wenn sie verletzt oder krank und somit tatsächlich hilflos sind. Jungvögel, die mit nach Hause genommen werden, haben selbst bei fachgerechter Pflege deutlich schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Die elterliche Fürsorge in der Naturaufzucht kann niemals ersetzt werden. Lediglich bei deutlich geschwächt wirkenden oder wirklich verwaisten Vögeln ist die Handaufzucht zu empfehlen, wie auch in Fällen, in denen durch Unwetter, Baumaßnahmen oder dergleichen der Nistplatz zerstört ist. Hilfestellung können die Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte, Zoologische Gärten, Tierärzte, Tierschutzvereine oder der NABU geben.

 

 

Das große Krabbeln geht wieder los

Der NABU Thüringen ruft zum Insektensommer dazu auf, eine Stunde lang Insekten zu beobachten, zu zählen und zu melden

 

Bald ist es wieder soweit: Eine Stunde lang Insekten beobachten, zählen und melden. Der NABU-Insektensommer findet deutschlandweit vom 4. Juni bis 13. Juni und vom 6. August bis 15. August bereits zum vierten Mal statt.

Eine besondere Rolle spielt wie im Vorjahr der Marienkäfer. „Im Freistaat kommen 73 Marienkäfer-Arten vor“, sagt Ronald Bellstedt, der Sprecher des Landesfachausschusses für Entomologie im NABU Thüringen. „Ihre Farben variieren zwischen rot, gelb oder schwarz, unterschiedlich je nach Art. Am häufigsten entdeckt man bei uns den heimischen Siebenpunktmarienkäfer und den Asiatischen Marienkäfer. Wobei der Asiatische Marienkäfer erst vor wenigen Jahrzehnten eingeschleppt wurde. Heute kommt er nicht mehr nur in Japan und China vor, sondern auch in Nordamerika und Europa.“ Wie weit sich die invasive Art bereits verbreitet hat, soll nun der Insektensommer zeigen. Dafür sollen die Teilnehmer*innen melden, wie oft sie den Asiatischen und den Siebenpunktmarienkäfer entdecken konnten.

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet sollte nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder über die kostenlose Web-App NABU Insektensommer.

Jeder gesichtete Sechsbeiner soll gezählt und gemeldet werden. Auf einige in Deutschland häufig vorkommende Arten sollen die Teilnehmer*innen besonders achten. Der NABU legt den Fokus im Frühsommer auf Steinhummel, Florfliege, Hainschwebfliege, Tagpfauenauge, Lederwanze, Blutzikade und Admiral. „Wer sich noch nie mit Insekten beschäftigt hat und diese nicht kennt, findet mit dem NABU-Insektentrainer eine Hilfestellung“, erklärt Ronald Bellstedt. Wenn man sich bei der Art nicht sicher ist, kann man auch einfach die Gruppe von Insekten angeben, zum Beispiel Schmetterling oder Käfer – hier hilft der Bestimmungsschlüssel im Insektentrainer auch weiter. „Die kleinen Krabbler lassen sich gut an einem warmen, trockenen und windstillen Tag beobachten und zählen“, ergänzt der NABU-Insektenexperte.

Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe für den Insektenschwund. Der NABU engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Insekten. Sie sind unverzichtbar für uns Menschen und die gesamte Natur. In unseren Ökosystemen tragen sie unter anderem zur Vermehrung von Pflanzen sowie zur Fruchtbarkeit des Bodens bei.

 

Zusatzinformationen

Die Daten der Zählaktion Insektensommer werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht. Im vergangenen Jahr kamen von fast 16.000 Teilnehmer*innen bei beiden Zählungen erstmals knapp 10.000 Meldungen bundesweit zu den Sechsbeinern zusammen.

Die NABU-Mitmachaktion wird in diesem Jahr auch von der wohl bekanntesten Biene und ihren Freunden unterstützt. Im Rahmen der Initiative "Die Biene Maja - Projekt Klatschmohnwiese" setzt sich Maja schon seit 2018 dafür ein, Lebensräume für Bienen und andere Insekten zu schaffen. Sie möchte Eltern und ihre Kinder spielerisch über Bienen informieren und ihnen zeigen, was sie für den Schutz der Insekten unternehmen können – zum Beispiel mit der Teilnahme am NABU-Insektensommer.

 

 

Leitfaden zur insektenfreidlichen Bewirtschaftung des Stadtgrüns
Leitfaden_zur_insektenfreundlichen_Bewir
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Broschüre Artenschutz

Der NABU-Bundesvorstand hat eine Broschüre zum Artenschutz veröffentlicht. Darin wird eine Übersicht zu den Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes sowie zu verschiedenen rechtlichen Begriffen gegeben und weiterführende Literatur empfohlen.

 

Broschüre Artenschutzrecht
NABU_Broschuere_Artenschutzrecht.pdf
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geschützte Arten. Unsere tierischen Mitbewohner sind Fledermäuse unterm Dach, in den Nistkästen an der Außenwand ziehen Vögel ihre Jungen groß und auf der Schmetterlingswiese können die schönsten Falter beobachtet werden. Mehr zu unserer Gruppenunterkunft erfährst du auf www.naturerlebnishaus-leutratal.de.