Dohle – Vogel des Jahres 2012

Foto: NABU/Birdpictures/R. Rößner Foto: NABU/Birdpictures/R. Rößner

Mit der Dohle, einem schwarzen Gesellen, der noch vor wenigen Jahrzehnten in unsere damals grau rauchenden Schornsteine guckte und dem so mancher Streich nachgesagt wird, wurde ein einst bekannter und verbreiteter Vertreter der Rabenvögel zum Vogel des Jahres 2012 gewählt. Heute fehlt die Dohle in vielen Dörfern und Städten Thüringens als Brutvogel, weil ihre Brutplätze in Höhlen alter Bäume mit diesen beseitigt oder die Einflugöffnungen in Türmen verschlossen wurden.


Zwar verschwand auch die Dohle als Brutvogel von den Türmen in Jena, nicht jedoch völlig aus unserem Stadtgebiet. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts besteht eine ansehnliche, regional bedeutsame Brutkolonie an der Autobahnbrücke bei Göschwitz. Nisteten die Dohlen zunächst, wie auch zahlreiche Turmfalkenpaare in den Wasserspeiern, über die eigentlich das Regenwasser von der Fahrbahn abgeleitet werden sollte, so mussten sie diese Brutplätze nach einer Sanierung der Brücke Anfang der 70er Jahre aufgeben. Sie bekamen aber Hilfe durch die Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie im damaligen VEB CARL ZEISS Jena. Sie brachten hinter den Lichtschlitzen in den Brückenpfeilern Holzkisten, ausgeschiedene Transportkisten des Zeiss-Werkes, als Brutkästen an. So gelang es die sehr brutortstreuen Vögel zu halten, denn bald wurde ihre andere Brutkolonie in Jena im Paradies durch die Abholzung der Lindenallee mit vielen Baumhöhlen zerstört. Ersatz durch das Anbringen von Nistkästen an den Platanen im Uferbereich oder den Pappeln in der Oberaue wurde trotz wiederholter Anregung vom für die Pflege der Anlage zuständigen Betrieb nicht geschaffen. Im Gegensatz dazu wurden die Kästen in der Autobahnbrücke alljährlich durch die Jenaer Ornithologen gewartet sowie die Jungvögel beringt.

 

Als mit dem 6-spurigen Ausbau der A 4 eine neue Gefahr drohte, konnten mit dem Autobahnamt Hilfs- und Ausgleichsmaßnahmen abgestimmt werden. Die Dohlen lohnten den Einsatz und blieben ihrem alten Brutplatz treu. Wer heute durch den als Lärmschutz angelegten Tunnel in Richtung Erfurt fährt, wird danach die paarweise auf dem Brückengeländer sitzenden Dohlen bemerken. Wer genauer hinsieht, bitte nur der Beifahrer!!, kann mitunter auch an den Beinen der Dohlen Farbringe erkennen, denn nur was wir auch kennen, können wir erfolgreich schützen. Deshalb erfolgen in dieser Kolonie Untersuchungen zur Brutbiologie, Ortstreue und Nahrungsökologie der Dohlen.

 

Dr. Dietrich von Knorre

 

 

Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012
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