Kleine Informationen am Rande


Eisvogel - Vogel des Jahres 2009

Kuckuck - Vogel des Jahres 2008
Übersehenes Knabenkraut – Orchidee des Jahres 2008


Turmfalke - Vogel des Jahres 2007
Schwarzes Kohlrösches – Orchidee des Jahres 2007


Kleiber - Vogel des Jahres 2006
Breitblättrige Stendelwurz – Orchidee des Jahres 2006



Eisvogel - Vogel des Jahres 2009

Der Eisvogel wird wegen seines schillernden Gefieders gerne als fliegender Edelstein be-zeichnet. Bei Jena lebt er in geringer Anzahl während des ganzen Jahres an der Saale sowie ihren Nebenbächen. Trotz seines im Fluge aufblitzenden hellblauen Rückens wird er meist nur dem Kenner auffallen, wenn er pfeilschnell in geradem Flug über dem Wasser zu seiner nächsten Sitzwarte fliegt. Seine Beobachtung bleibt daher jedes Mal ein kleiner Höhepunkt einer vogelkundlichen Exkursion. Leichter sieht man Eisvögel im Winter, da sie dann besser auf überhängenden Ästen über dem Wasser beim Ansitz beobachtet werden können. Aus die-ser Tatsache erklärt sich auch der in ganz Deutschland verbreitete Name "Eisvogel".

Der Bestand des Eisvogels unterliegt witterungsbedingt jährlich erheblichen Schwankungen, da ihm längere Eisperioden leicht zum Verhängnis werden, denn als ausgesprochener Fisch-fresser ist er auf offene Gewässer angewiesen. Daneben wurde er in früheren Jahren an Fisch-zuchtteichen stark verfolgt. Die eigentliche tödliche Gefahr bildete für ihn jedoch im 20. Jh. die extreme Gewässerverunreinigung. Abwasser aus Industrie und Haushalten vernichteten in den Fließgewässern die für seine Ernährung nötigen Bestände an kleinen Fischen. Doch wenn heute trotz der wesentlich verbesserten Wasserqualität und den nun schon über Jahren milden Wintern ohne geschlossene Eisdecke auf der Saale die Bestände des Eisvogels weiterhin nied-rig sind, so muss es eine weitere Ursache dafür geben. Diese lässt sich leicht ausmachen, sie liegt für den Eisvogel in fehlenden Steilwänden zur Anlage seiner Brutröhre. Der Eisvogel gräbt sich seine Brutröhre in Lehmwände an bzw. in der Nähe von Gewässern und diese na-türlichen Steilufer werden, sobald der Fluss eine entsprechende Abbruchkante geschaffen hat, sofort aus Gründen der sog. Verkehrssicherungspflicht abgeflacht bzw. mit Schotter verfüllt.

Die natürliche Gestaltung der Fließgewässer und insbesondere der Gewässerrandzonen als Lebensraum für den Eisvogel und viele andere Tier- und Pflanzenarten ist von entscheidender Bedeutung, ihr Zustand jedoch auch eine sehr kontrovers diskutierte Frage. Diese Botschaft soll der diesjährige "Vogel des Jahres" - ein Juwel in unserer Landschaft - vermitteln. Die meisten Flüsse, so auch die Saale bei Jena, entsprechen heute eher Kanälen. Die Tierwelt, die sie einst lebendig machte, ist bis auf wenige Arten verschwunden - muss denn jeder Uferab-schnitt uneingeschränkt begehbar sein?

Jena, 21. Dezember 2008 - Dr. Dietrich von Knorre



Kuckuck – Vogel des Jahres 2008

„Alles, was ich über den Kuckuck gehört habe“ sagte Goethe,
angeregt durch einen vorbei fliegenden kleinen Falken,
zu Eckermann am 7. Oktober 1827 am Ufer der Saale
bei Burgau, „gibt mir für diesen merkwürdigen Vogel
ein großes Interesse. Er ist eine höchst problematische Natur,
ein offenbares Geheimnis, das aber nichtsdestoweniger
schwer zu lösen, weil es so offenbar ist.“

Den Kuckuck – obwohl eine der bekanntesten Vogelarten – haben viele wohl schon gehört, doch bislang kaum einmal gesehen. Sein Flugbild gleicht in Gestalt und Größe durchaus einem Sperber oder kleinen Falken und wird daher leicht verwechselt. Dieser Vogel, dessen Lebensweise bereits Goethe vor 180 Jahren zu längeren Betrachtungen anregte, hat wenig von seiner Faszination verloren, auch wenn heute so manches Geheimnis aus seinem Leben bekannter und verständlicher ist.

Mit seinem Ruf, ab der letzten Aprildekade bis Ende Juni, macht er auf sich aufmerksam. Danach ist es still, und ab Ende Juli bis spätestens Mitte September haben alle Jung- und Altvögel unser Gebiet wieder verlassen. Noch kommt der Kuckuck in der Umgebung von Jena vor, doch immer seltener hört man ihn in unmittelbarer Nähe der Stadt. Als Brutparasit ist er darauf angewiesen, seine Eier in die Nester von Singvögeln zu legen, die sich von Insekten ernähren. Zu den häufigsten Wirtsvögeln zählen um Jena Bachstelze, Neuntöter, Gartengrasmücke, Hausrotschwanz und sogar der kleine Zaunkönig. Doch die Beseitigung von Mauernischen, Gebüschen und Hecken raubt nicht nur den dort lebenden Singvögeln den Brutplatz, auch der Kuckuck leidet darunter. So besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Häufigkeit potentieller Wirtsvögel und dem Auftreten des Kuckucks. Die wesentlichste Ursache für den Rückgang des Kuckucks besteht im Fehlen an Nestern geeigneter Wirtsvögeln, aber auch an der Nahrung, denn er vertilgt täglich eine große Zahl an Insekten, scheut hierbei auch nicht vor behaarten Raupen.

Der Kuckuck durchstreift ein großes Territorium bei der Suche nach einem geeigneten Wirtsvogelnest. Nicht nur in der Färbung, auch in der Größe dürfen die Eier des Kuckucks von denen des Wirtes zu stark abweichen, sonst kann es schon vorkommen, dass sie aus dem Nest geworfen werden.

Mit dem Erhalt einer gut strukturierten Landschaft erhalten wir unseren Singvögeln Nahrung sowie Nistplätze und helfen damit auch dem Kuckuck. Was wäre ein Frühling ohne den vertrauten Ruf des Kuckucks – erhalten wir ihm seinen Lebensraum.

Jena, Dezember 2007 - Dr. Dietrich von Knorre



Übersehenes Knabenkraut – Orchidee des Jahres 2008

Vom Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen (AHO Thüringen) erschien vor wenigen Jahren ein Orchideenbuch mit Beschreibungen aller im Bundesland vorkommenden Arten dieser interessanten Pflanzenfamilie. In ihm sucht man allerdings die Orchidee des Jahres 2008 vergebens. Von den Vertretern aller deutschen AHOs wurde auf ihrer Jahrestagung – wie schon für 2007 das Schwarze Kohlröschen – eine Art gewählt, die bei uns nicht vorkommt:

„Übersehenes Knabenkraut“ (Dactylorhiza praetermissa).

Diese Orchidee hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordwest-Europa und überschreitet z.B. aus Richtung Niederlande kommend knapp die deutsche Grenze.

Ihren seltsamen Namen „Übersehenes“ (=praetermissa) hat sie bekommen, weil sie erst um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eindeutig als eigene Art erkannt wurde.

Die Pflanze hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Steifblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), das in unserer Umgebung in wenigen Exemplaren gefunden wird und dessen Blütenlippen eine auffällige Zeichnung tragen. Das „Übersehene“ hat dafür auf der verhältnismäßig breiten Lippe viele kleine Punkte. Insgesamt sind die Blüten blaßrosa. Die laubblattähnlichen Tragblätter der Blüten sind etwas länger als die Blüten, also anders als z.B. bei der Gattung Orchis, den eigentlichen Knabenkräutern. Das ist eins der Merkmale, durch die sich die Dactylorhiza-Arten (auch Kuckucksblumen-Arten genannt) von den Orchis-Arten unterscheiden.

Dactylorhiza praetermissa liebt feuchtere Lebensräume, also z.B. meist kalkhaltige Moore. Sie kommt im Frühsommer zur Blüte und kann 25 bis 50 cm hoch werden.

Jena, Dezember 2007 - Klaus Bockhacker




Turmfalke - Vogel des Jahres 2007

Mitten in der Stadt veranlassen uns mitunter helle "ki ki ki"-Rufe, den Blick nach oben zu den Dächern und Türmen der Stadt zu heben, um dort unseren häufigsten Falken zu suchen. Der Turmfalke zählt zu den Vogelarten, die sich schon seit Jahrhunderten dem Menschen mit seinen künstlichen Felsen angeschlossen haben. Auf Türmen und in hochgelegenen Mauernischen findet er nicht nur Ruheplätze, sondern insbesondere auch Nistplätze zum Aufziehen seiner Jungen. Waren es zunächst überwiegend die Kirch- und Rathaustürme der Städte sowie Burgen, die ihm geeignete Nistplätze boten, so haben wir mit den modernen Industrie- und Wohnbauten das Nistplatzangebot für diese Vogelart erhöht.

Doch in den Städten bekam der Turmfalke in den von ihm genutzten Brutnischen durch die verwilderten Stadttauben einen ernsthaften Konkurrenten, denn alle Maßnahmen zur Verhinderung des Eindringens von Tauben wirken sich leider auch negativ auf die Brutmöglichkeiten für den Turmfalken aus, und die Zahl der im Stadtgebiet heute noch brütenden Falken ist erheblich zurückgegangen. Außerhalb unserer Steinbauten kann man gelegentlich Nistplätze des Turmfalken in alten Krähen- und Elsternestern finden.

Der Turmfalke ist ein Vogel der freien Flur, der auf Feldern und Wiesen seine Nahrung sucht. Dort lässt er sich auch leicht beobachten, wenn er auf seinem Beuteflug plötzlich an einem Punkt verhält - mit den Flügeln rasch schlagend in der Luft steht, um eine erspähte Maus genauer zu fixieren. Dieser unverwechselbare Rüttelflug hat ihm im Volksmund auch den Namen "Pfennigschüttler" eingetragen.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Falkenarten ist der Turmfalke ein ausschließlicher Bodenjäger und Mäuse bilden seine Hauptnahrung. Da ihm Mäuse während des ganzen Jahres als Beute zur Verfügung stehen, ist der Turmfalke bei uns überwiegend Standvogel. Ernsthafte Probleme entstehen jedoch bei lang anhaltendem Frost mit hoher Schneelage, dann zieht er in schneefreie Gebiete weiter, doch auch nicht wenige Turmfalken verhungern

Gelegentlich kommt es, sofern die Bedingungen dafür günstig sind, zu kolonieartigem Brüten. Eine derartige Ansammlung mit maximal bis zu 20 Brutpaaren bestand Mitte des vergangenen Jahrhunderts an der Autobahnbrücke bei Göschwitz in den damals verstopften Wasserspeiern. Deren Reinigung und zunehmender Verkehr hat ihre Zahl stark zurückgehen lassen, und nur noch wenige Paare brüten heute in den für die Dohlen in den Bögen der Brücke angebrachten Brutkästen.

Dr. Dietrich von Knorre



Schwarzes Kohlrösches – Orchidee des Jahres 2007

Mit dem Schwarzen Kohlröschen ist eine Art zur Orchidee des Jahres 2007 gekürt worden, die selbst gute Thüringer Orchideenkenner noch nie gesehen haben. Es ist eine ausgesprochene Hochlandart und kommt in unserem Bundesland nicht vor. In Deutschland ist es nur in den Alpen in über Eintausend Meter Höhe zu finden. Dort ist das Schwarze Kohlröschen durchaus nicht selten. Ein früheres Vorkommen im Schwarzwald ist seit langer Zeit erloschen.

Das Kohlröschen liebt Kalkmagerrasen - wie viele unserer heimischen Knabenkräuter, wächst aber manchmal auch auf etwas saureren Böden. Von Juni bis August kommt es zur Blüte.

Die Pflanze wird bis zu 20 cm hoch. Ihre Blätter sind schmal und leicht zusammengeklappt, wie bei vielen Gräsern. Der Blütenstand ist kugelig bis eiförmig und sehr dicht. Die Blüten sind tief schwarzviolett. Aus gewisser Entfernung sieht die Blume fast schwarz aus, daher die Bezeichnung Schwarzes Kohlröschen. Auch der Gattungsname "Kohl-" ist nicht von Gemüsekohl abgleitet, sondern von Kohle (nach Füller). In einer Schweizer Flora findet man stattdessen die Benennung "Männertreu". Der wissenschaftliche Name ist Nigritella nigra.

Eine "Schwesterpflanze" wird nach deren anderer Blütenfarbe Rotes Kohlröschen genannt. Diese Art ist auch in den Alpen sehr selten.

Der Blütenbau weist bei beiden Pflanzen eine Besonderheit auf. Bei den meisten heimischen Knabenkräutern dreht sich die Blüte beim Aufblühen um 180 Grad, so dass die Lippe (meist das größste Blütenblatt) nach unten zeigt. Die Folge ist ein in sich verdrehter Fruchtknoten. Nicht so bei den Kohlröschen. Hier bleibt die Wendung aus und die Lippe zeigt darum nach oben.

Klaus Bockhacker





Kleiber - Vogel des Jahres 2006

Der Kleiber, auch früher Spechtmeise genannt, zählt zu den bekannten und in ihrem Bestand nicht gefährdeten Vogelarten unserer Heimat. Um Jena ist er nicht selten in den Parkanlagen, in Stadtgebieten mit nicht zu massiver Bebauung wie auch in den Mischwäldern rund um die Stadt vorhanden. Als Brutbäume werden Eichen und Linden eindeutig bevorzugt, Buchen dagegen werden eher gemieden. Ideale Lebensräume bilden daher Park- und Friedhofsanlagen. Unsere Bestandserhebungen in Jena im Volkspark "Oberaue" (Fläche ca. 29 ha) ergaben im Frühjahr 2005 fünf bis sieben Kleiberbrutpaare.

Da der Kleiber Standvogel ist und kein Zugverhalten zeigt, erscheint er auch häufig zusammen mit Kohl- und Blaumeisen während der Wintermonate an unseren Futterhäuschen im Stadtgebiet. Auch sonst ist er auffällig, da seine laute Pfeifstrophe, sie klingt etwa wie ein kräftig gepfiffenes "wi wi wi..." oder ein leiseres "sit ... sit" selbst den normalen städtischen Lärmpegel übertönt und im Wald weithin zu vernehmen ist.

Wer den etwa 12 bis 15 cm großen Kleiber mit seinem graublauen Rückengefieder etwas eingehender beobachtet, wird rasch bemerken, dass er durchaus in der Lage ist, sich kopfabwärts an den Baumstämmen zu bewegen. In diesem Verhalten unterscheidet er sich von den einheimischen Spechten wie auch von den beiden sehr unauffälligen Baumläuferarten, mit denen er häufig seinen Lebensraum teilt. Doch nicht nur in diesem Verhalten liegt eine Besonderheit, Kleiber sind auch perfekte Maurer. Zwar zimmert er nicht selbst seine Höhlen sondern nutzt vorhandene Baumhöhlen, Nistkästen und gelegentlich selbst Maueröffnungen, doch ist die Öffnung zur Höhle zu groß, so verengt er den Einflug wie auch vorhandene Spalten mit lehmigen Erdklümpchen. Diese Arbeiten werden durch "Verstampfen" der Erde ohne Beimengung von Speichel und nur vom Weibchen ausgeführt. Da die Kleiber - hieran beteiligen sich beide Altvögel - ihre Nisthöhlen zuvor reinigen, werden die einmal gewählten Brutstätten mitunter über viele Jahre alljährlich wieder bezogen. Als Nistmaterial dienen ihm Holzstückchen als Unterlage und darüber eine dünne Schicht Spiegelrinde, bevorzugt von Kiefern; in Nistkästen wird mitunter nur Spiegelrinde eingetragen. Die Brutperiode beginnt bereits im März mit der Instandsetzung der Nisthöhle. Die Eier, weiß mit rotbrauner Punktzeichnung, erinnern in Größe und Form an die Eier von Meisen. Das Gelege kann 4 bis 10, selten 12 Eier enthalten und ist etwa in der 2. bis 3. April-Dekade vollzählig. Die Jungen werden Ende Mai bis in die erste Juni-Dekade flügge.

Der Kleiber ist Allesfressser und vermag selbst die harten Schalen von Pflanzensamen mit seinem meißelartigen Schnabel zu öffnen. Daneben bilden Spinnen und Insekten in den Sommermonaten seine Hauptnahrung, die Jungen werden ausschließlich mit Spinnen, häufigen Raupenarten und kleineren Vollkerfen - in abnehmender Häufigkeit: Käfer, Fliegen, Wanzen und Blattläuse - ernährt.

Nach einer sehr hohen Jungensterblichkeit können Kleiber durchaus ein Alter von 5 Jahren erreichen, doch wurden auch Fälle mit einem Höchstalter von 9,5 Jahren bekannt.

15. Dezember 2005, Dr. Dietrich von Knorre



Breitblättrige Stendelwurz – Orchidee des Jahres 2006

Viele Freunde unserer heimischen Flora freuen sich Jahr für Jahr an der Braunroten Stendelwurz (Braunroter Sitter), deren nickenden Knospenstände ab Ende Mai auf den Trockenhängen unserer Berge auffallen. Sie ist bei uns überall an diesen Biotopen zu finden.

Weniger bekannt ist eine andere Art aus der gleichen Gattung (Stendelwurz oder Sitter), obwohl sie weit verbreitet ist: die Breitblättrige Stendelwurz, Epipactis helleborine. Sie ist für 2006 als Orchidee des Jahres ausgewählt worden. Ihre Blüten sind in etwa ebenso gestaltet wie die braunrote Art. Aber die Farbe geht ins Weißliche, das in allen Blütenteilen rötlich, die äußeren mehr gelbgrünlich, überlaufen ist. Der napfförmige hintere Teil der Lippe ist wie bei allen Sitterarten braun gefärbt. Unter dem gelben Pollenpaket finden wir eine kleine, fast weiße, Klebdrüse (Rostellum), mit deren Hilfe man die ganze Pollensammlung herausziehen kann. Diese Einrichtung fehlt bei den ähnlichen Stendelwurzpflanzen.

Gut ausgebildete Pflanzen sind attraktive Erscheinungen. Sie können bis zu einem Meter hoch werden und haben dann stattliche Blätter, die oft, wie der Name sagt, zehn Zentimeter breit sind. Die Art ist verbreitet und zum Beispiel an den Saumzonen unserer Laubwälder, an Wegrändern u.ä. zu finden.

Die meisten Autoren unterscheiden Pflanzen, die von der Breitblättrigen Stendelwurz mit wenigen Merkmalen abweichen, als eigene Arten, z.B. die Schmallipige Stendelwurz und die Müllersche Stendelwurz, von denen vor allem die letztere für das Jenaer Gebiet große Bedeutung hat. Die Breitblättrige Stendelwurz tritt bei uns gegenüber der Müllerschen eher zurück. Epipactis muelleri hat schmalere, längliche Blätter, die meist an den Rändern leicht gewellt sind. Außerdem fehlt das Rostellum.

Die Blütezeit der genannten Arten beginnt erst im Juli, liegt also nach der Hauptblüte der bekannten Orchideenspezies.

15. Dezember 2005, Klaus Bockhacker






 
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